AUSFÜHRLICHE GESCHICHTE DER STADT

 

Stadt Braunau /Broumov/ ist schon länger als sieben Jahrhunderte das Verwaltungs-, Kultur- und Wirtschaftszentrum in einem Landkessel, von der Steine durchflossen und vom Heidel- und dem Sterngebirge eingerahmt. Bis zum Ende des 12. Jahrhundert war das Braunauer Bergland, welches den Übergang zwischen dem Riesen- und Adlergebirge bildet, ein Teil des ursprünglichen Urwaldes - der natürlichen Grenze des tschechischen Przemyslidenstaates.

Die Anfänge von Braunau sind verbunden mit der Wirkung des ältesten Männer-Orden auf dem Gebiet von Böhmen - den Benediktinern aus Brzewnow /Bøevnov/. Sie erhielten im Jahr 1213 vom König Przemysl Otakar I. das Gebiet des heutigen Braunau und Politz /Police nad Metují/ mit der Holzkirche der Jungfrau Maria und mit einer kleinen Benediktiner Einsiedlerortschaft auf einem Ort, Politz genanntem, geschenkt. Erst 40 Jahre später begannen sie mit der Kolonisation. Während der Politzer Teil der erstehende Klosterdomäne durch die Untertanen aus dem Innern Böhmens besiedelt wurde, war die Kolonisation des Braunauer Landes ein Teil der mächtigen deutschen Kolonisationswelle, welche im 13. Jahrhundert unter anderem auch das benachbarte Schlesien und Glatzer Land bevölkerte. Mit der Oganisation der Besiedlung des Braunauer Landes betraute der Abt von Brzewnov Unternehmer - Lokatore, welche Landwirte herbeiführten, Waldboden verteilten, Gemeidekataster ausmassen und Inhaber von freien Höfen wurden. Ausserdem wurden die Lokatore als Dorfsschulze Vollstrecker einerbegrenzten Gerichtsvollmacht.

Wahrscheinlich im Jahr 1255 wurde auf dem Felsenausläufer über dem rechten Ufer der Steine Braunau als Verwaltungszentrum und einziger Platz der Domäne, dem Handel und Handwerk vorbehalten war, gegründet. Im Jahr 1266 kaufte der Abt Martin von dem Vogt Wicher, vielleicht dem wichtigstem Organisator der Kolonisation Braunaus, für 200 Mark Silber das Erberecht der Braunauer Vogtei mit zwei Häusern auf dem Marktplatz, dem Hof in der Vorstadt und allen dazugehörenden Grundstücken ab.

Unter den Braunauer Handwerken gewannen schon in den ersten Jahren der Existenz der Gemeinde die Tuchmacher eine bedeutende Stellung. Im Jahr 1275 erteilte ihnen der König Przemysl Otakar II. das Privilegium zu Erzeugung und Verkauf und der Umfang der Produktion sprengte in kurzer Zeit die begrenzte Bedürfnisse des örtlichen Marktes. So wurde der Charakter der kommenden Wirschaftlichen Entfaltung des Braunauer Landes gelegt und der Grundstein für den kommenden Textilexport. Nach dem Tod des Königs auf dem Mährischen Felde, bemächtigte sich Fürst Heinrich IV.

Breslauer auf seine Lebenszeit das Glatzer Land und auch Braunau. Nach 1290 wurde die Herrschaft den Benediktinern zurückgegeben, aber es gab Schwierigkeiten mit der Verteidigung des Bodeneigentums an der Grenze zu Schlesien. Im Jahr 1300 standen gegen die Macht des Abtes der Braunauer und einige Dorfschulze auf und die Plünderungen des Klostereigentums durch eine fast hundertköpfige Räuberbande gelang es erst mit militärischer Hilfe befreundeter Adliger zu beenden. Vor 1331 verpfändete König Johann der Luxemburger alle Einkommen der Braunauer Herrschaft als Bezahlung seiner Schulden lebenslänglich den Angehörigen des Glatzer Adelgeschlechtes Pannewitz.

Als Entschädigung für erlittene Verluste entlohnte Kaiser Karl IV. das Kloster in Brzewnov /Bøevnov/ mit Vorrechten, u. a. und auch mit dem Privilegium von 1348, mit welchem er dem Abt für seine Untertanen in Braunau die selben Rechte erteilte, die die Bewohner der königlichen Städte Grätz und Glatz besaßen. Braunau allerdings wurde nie eine freie königliche Stadt und auf die wirkliche Ausbreitung ihrer städtischen Vorrechte mußten die Braunauer warten bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhundert, als 1419 der Abt der Stadt das freie Erbrecht für eine feste Jahreszahlung abtrat und zwei Häuser zur Errichtung des Rat- und Gemeindehauses verkaufte. Im Jahr 1449 wurden die Stadtprivilegien ausgeweitet um das Halsrecht.

In den Hussitenkriegen wurde Braunau ein Stützpunkt der katolischen Seite. Als im Mai 1420 die Hussiten das Kloster in Brzewnov /Bøevnov/ brandschatzten und der größere Teil des Konvent an der Spitze mit Abt Nikolaus nach Braunau flüchtete, belegte die Stadt im Frühjahr 1421 eine Besatzungstruppe des Breslauer Bischofs und schlesischer Adliger. Schon im Juni belagerte die Stadt ein Heer der ostböhmischen Hussiten, aber nach dreitägigen Verhandlungen der tschechischen Anführers Èenek von Wartemberk mit Repräsentanten der katolischen Seite zogen die Hussiten ab. Bis Ende der 20. Jahre legten die Braunauer alle zugängliche finanzielle Mittel in die Befestigung der Stadtschanzen und den Aufbau von Parkanen auf der Westseite der Stadt an. Die durch Kriegsereignisse erlittenen Verluste zeichneten das Leben der Stadt bis in die Hälfte des 15. Jahrhunderts. Erst im Jahr 1446 verzichtete der Breslauer Bischof Konrad auf die Einforderung von 6 000 ungarischen Florenen für die militärische Hilfe, die Kloster und Stadt in den Jahren 1421 bis 1428 gewährt wurde.

Im Jahr 1459 anerkannte Abt Johann Gebauer den neugewählten tschechischen König Georg von Podiebrad /Podìbrady/ und empfang ihn im Kloster. Deswegen vertrieben ihn die Braunauer Bürger und er konnte erst unter königlicher militärischer Beschützung zurückkehren. Zehn Jahre später wurde Braunau durch einen weiteren kriegerischen Konflikt betroffen, als die Stadt von 700 Söldnern im Dienst des ungarischen Königs Mathias besetzt wurden. 1472 vertrieb der Sohn des Georg von Podebrad, Fürst Heinrich von Münsterberg, nach Vereinbarung mit dem Abt die ungarische Besatzungstruppe aus Braunau, die der Stadt und Herrschaft große Schäden verursachte. Als Ersatz für Kriegskosten wurde Braunau und das Braunauer Land dem Fürsten auf Lebenszeit verpfändet und dadurch zum drittenmal mit Glatz verbunden. Aber noch 1488 kaufte der Abt Paul das Pfandrecht ab.

Im Jahre 1505 standen die Braunauer Untertanen gegen den Abt Kliment wegen seinen Bemühungen, die von Heinrich Münsterberg erhaltenen Rechte zu schmälern, auf und zwangen ihn zur Resignation. Der nachfolgende Abt, Lauretius, bestätigte der Stadt ihre Privilegien und erwang vom König Vladislav die Bestätigung der alten Tuchmachervorrechte und Erteilung von Schutzgarantien vor nichtberechtigtem Gebrauch des Markezeichens der Braunauer Tuchmacher - (B).

Im Lauf des 16. Jahrhunderts nahmen die Braunauer Tuchmacher eine Spitzenstellung unter den bedeutendsten Zentren der Tuchherstellung und seiner Ausfuhr aus Böhmen ein. Braunau hielt die erreichten Positionen unter den Ausführern von billigen, aber qualitativ hochwertigen Waren bis zum Dreißigjährigem Krieg. Die Prosperität des Handwerkes und Handels zeigte sich, hauptsächlich nach großem Brand im Jahre 1549, im Wiederaufbau der Stadt im Renaissanzstil im Wachstum der kulturellen Bedürfnissen der kleinstädtischen Gesellschaft.

Nach 1540 fing unter dem Einfluss der benachbarten schlesischen Städten die Ausbreitung des Protestantismus unter den Braunauer Tuchmachern an. Seine Anhänger hielten ab 1575 ihre Gottesdienste in der Friedhofskirche der Hl. Jungfrau Maria ab. Abt Martin, bedacht nur auf seine persönlichen Vorteile und deswegen die geistliche Mission des Klosters vernachläßigte, wollte und konnte dies nicht verhindern. Den wachsenden Einfluss der Lutheranischen Lehre im Braunauer Land und weiterem Niedergang des Klosters gelang es nicht einmal einzudämmern dem energischen Wolfgang Selender, der das Amt des Abtes im Jahr 1602 auf Befehl des Kaiser Rudolf II. einnahm. Als sich die Braunauer Lutheraner im Jahr 1614 beim Niedertor eine eigene Kirche bauten, erreichte der Abt ihre Schließung nicht einmal mit Hilfe der Anordnungen des Kaisers Ferdinand und auch nicht durch Einkerkerung einiger ungehorsamer Braunauer Börger in Prag. Der Streit um die Braunauer protestantische Kirche wurde am Ende eine der äußeren Gründe, die zum Prager Fenstersturz der Statthalter am 23. Mai 1618 führten. Als die Direktore der Stände ein Jahr später den Abt Selender aus dem Land wiesen, konfiszierten sie die Klosterherrschaft und verkauften sie für 54 000 Schok den Braunauer Bürgern. Nach der Schlacht auf dem Weißen Berg und nach der Erneuerung der kaiserlichen Macht in Braunau kehrte die Verwaltung und das Eigentum der Klosterdomäne in die Hände der Benediktiner zurück. Manche von den Braunauer protestantischen Familien entschieden sich zur Auswanderung und Braunau wurden als Strafe für den Aufstand gegen die Klosterobrigkeit und kaiserliche Macht alle Rechte entzogen. Erst nach dreijährigen Verhandlungen wurden der Stadt wieder einige begranzte Privilegien eigeräummt.

Im Jahr 1632 eroberte Braunau der sächsische General Arnim. Auch wenn ihn nach acht Tagen das kaiserliche Heer zum Abzug zwang, litt die Stadt auch in den weiteren Jahren durch Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges, wie Belagerungen und Streifzüge der protestantischen Truppen, als auch durch Durchmärsche und Plünderungen der kaiserliche Heere.

Während die Rekatholisation im Braunauer Land ohne bedeutene Konflikte vonstatten ging noch vor der Beendigung der Dreissigjährigen Krieges, die Streittigkeiten von Bürger mit der Klosterobrigkeit um die Ausweitung der wirtschaftlichen Rechte und Selbstverwaltung endeten nicht einmal nach dem Abschluß der Vereinbarung, der genannten Transaktion im Jahr 1666 und brachen verstärkt bei der Untertanenrebellion im Jahre 1680 aus.

Die dem Klostergut verursachten Kriegsschäden gelang es in den Zeiten der Äbte Thomas Sartorius (1663-1700) und Othmar Zinke (1700-1738) erfolgreich zu beseitigen und zwar durch Erhöhung der Frondienste, durch Zahlungen der Untertanen, sowie mittels eigener großzügigen unternehmischer Tätigkeit und Organisation der Leinwandweberei, wobei mehrere hundert Hausweber sich eine gute wirtschaftliche Stellung erarbeiten. Dadurch wurde der kostspielige Aufbau von Klosterobjekten und Kirchen, sowie auch Einkaufe von Kunstwerken führender Prager Barockkünstlern ermöglicht.

Durch die Schlesischen Kriege litt das ganze Braunauer Land, aber besonders wurde die Tuchmacherzunft betroffen. Im Jahr 1744 waren von ursprüglichen 252 Tuchmeistern nichteinmal ein Zehntel tätig. Um die Textilproduktion wieder in Gang zu bringen, begann das Kloster 1747 mit eigener Produktion in einer Tuchmacher Manufaktur, aber auch ihre Tätigkeit endete in der Zeit des Siebenjährigen Krieges. Das Braunauer Land leidete bis 1763 immer unter der Drohung preussicher Einfälle und die Kriegsereignisse waren auch an derm Großbrand der Stadt im Jahr 1757 schuld.

Das Braunauer Klostergut widmete sich in den 70. und 80. Jahren des 18. Jahrhundert voll der landwirtsschaftlichen Produktion und zog sich aus der Organisation und von der Unterstützung des zerstreuten Tuchmacher-Handewerkes zurück. Das übernahmen, wie auch die Organisierung der Hausweber auf den Dörfern , kleine Unternehmer, welche woll die vorübergehende Prosperität ausnutzen, die durch Aufträge in der Zeit der Napoleonischen Kriegen zustande kamen.

Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich die Situation der Textilproduktion im Braunauer Land zu verschlechtern, abwärts ging es mit der Hausweberei, und auch die Verkaufsmöglichkeiten der städtischen Tuchmachererzeugnisse verreigerten sich. Dies, zusammen mit der Auflösung der feudalen Zuständen und Freimachung von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft, bereitete den Boden für die Gründung der Industrie vor. Josef Schroll, einer der Unternehmer und bekanntesten Leinwandhändler, baute 1856 am Ölberg die erste mechanische Weberei und begann damit die Indrustrialisation des Ländchen.

Das langjährige Bemühen der Braunauer Bürger um eine volle, von der Klosterherrschaft unabhängige Selbstverwaltung zu erhalten, welche den Höhenpunkt in der Zeit der Reformen des Kaisers Josef II. und am Wendepunkt des Jahrhunderts mit den Bemühungen des Bürgermeister Linde das Statut einer königlichen Stadt zu erhalten, hatte keinen Erfolg. Die Möglichkeit, einige Angelegenheiten zu verwalten ohne Beschränkungen seitens der Obrigkeit, erreichte die Stadt erst nach der Aufhebung des Untertanentums und des feudalen Systems der Landwerwaltung nach dem Revolutionsjahr 1848. In Braunau wurde das Bezirksamt errichtet als Sitz der politischen Verwaltung nicht nur im Gebiet der ehemaligen klösterlichen Herrschaft, sondern auch für die Gebiete Politz /Police nad Metují/, Wekelsdorf /Teplice nad Metují/und Starkstadt /Stárkov/.

Im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befreite sich Braunau von der ursprünglichen mittelalterichen Abgeschiedenheit und besonders die Öffnung der Eisenbahnlinie Choceò - Braunau im Jahr 1875 bescherte der Stadt eine wirtschaftliche Blütezeit. Auf dem Kataster anliegender Dörfer wurden Fabrikanlagen und Miethäuser, öffentliche Gebäude wie Krankenhaus und Schulen gebaut. Die städtische Wasserleitung und Kanalisation wurde errichtet, Strassen gepflastert und beleuchtet. Die Befreiung des Bauerstandes und günstige Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion in der Zeit der Napoleonischen Kriege und nach dem Jahr 1848 wirkten sich positiv auf die Gestaltung des Dorfwesen aus. In kurzer Zeit erhielten die Dörfer ein neues Aussehen in Gestalt einheitlicher Bebauung typisch gemauerte Empirhöfe.

Durch das Wachstum der Stadt profitierte auch das gesellschaftliche und kulturelle Leben. Nach Gründung des Sängerchor Orpheus /1864/ und des Turnvereins /1866/ entstanden nach dem erringen der bürgerlichen Grundrechte und nach der Abstimmung der Dezemberverfassung im Jahr 1867 eine ganze Reihe von kulturellen, bildenden, religiösen, charitativen und politischen Organisationen. In der Bemühung zur Verbesserung der sozialen und gesundheitlichen Bedingugen der Arbeiterschaft engagierten sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie z. B. der Artzt Franz Rosser. Eine wichtige rolle dabei spielte die örtliche Presse. Neben Zeitungen und Zeitschriften erschienen vermehrt Bücher regionaler Autoren.

Die stürmische Veränderungen des öffentlichen Lebens brachte aber auch negative Einflüße mit sich - soziale Streitigkeiten, Politisierung und Anwachsen nationaler Unverträglichkeiten. Im 70. Jahr kam es zu einem Angriff auf Mitglieder der tschechischen Minderheit in der Stadt mit tödlichen Verletzungen. Und die national motivierten Ausschreitungen im Jahr 1908 wurden Gegenstand einer Interpelation im Wiener Parlament.

Das Leben in der Zeit des 1. Weltkrieges wurde geprägt durch den Antritt der Männer auf Schlachtfelder in Ost- und Südeuropa, stillegen der Indrustrie und Existenzprobleme der sozial schwächeren Schichten. Das groß Kriegsgefangenerlager bei Märzdorf durchgangen mehr als einige Zehntausend Kriegsgefangene, übersiegend Serben, und bis 2 600 von ihnen starben an Epidemien und Hunger. Sie wurden begraben am Lagerfriedhof. Der Weltkrieg endete mit Sturz der Monarchie und Zerrüttung der gesellschaftlichen und politischen Zuständen in Europa.

Die österreichisch und deutschnational orientierten Vertreter der Stadt und aller Dörfer im Braunauer Land lehnten entschieden die Ausrufung des Tschechoslowakischen Staates am 28. Oktober 1918 ab. Anselm Heinzel erklärte bei der Demonstration von mehr als 8 000 Braunauer Deutschen am 10. November 1918 Braunau als Teil der Provinz Deutsch-Böhmen. Der Wiederstand gegen die ÈSR hielt auch nach der Besetzung des Braunauer Landes durch tschechisches Militär und nach gleichzeitiger Machtübernahme durch die Prager Regierung.

Nach einigen Jahren der wirtschaftlichen Konjuktur und mit verbundener politischer Beruhigung, leidete im Jahr 1992 das Braunauer Land, genau wie andere Gebiete mit hoher Konzentration der Textilindustrie, besonders unter den schweren Folgen der welttweiten Wirschaftskrise. Im politischen Kampf um den deutschen Wähler unter den Bedingungen der wirtschftlichen Stagnation und unter dem Einfluss des erstarkenden National-Sozialismus in Deutschland, wurde mit ihrem separatistichem Programm Henleins SdP auch im Braunauer Land erfolgreich, die sich immer mehr auf Zusammenarbeit mit Hitlers NSDAP und Deutschland orientierte.

Im Jahr 1938 entschieden in München /ähnlich, wie vorher in Versailles und Saint Germain, später in Jalta und Potsdam/, die Großmächte über die Lösung der alten Tschechisch-Deutschen Streitigkeiten und über die Möglichkeit eines weiteren Zusammenleben in einem gemeinsammen Staat. So wurde das Braunauer Land zum ersten Mal in der Geschichte von Böhmen getrennt.

Noch vor der Besetzung durch die Wehrmacht flüchtete die Mehrheit der tschechischen Minderheit, sowie Juden und manche Antifaschisten - Sozial-Demokraten und Komunisten. Den Anschluss an das Deutsche Reich begrüßte die große Mehrheit der Einwohner der Stadt und der Dörfer.

Nach reichsdeutschem Muster wurden alle politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Organisationen aufgelöst oder der zugehörenden Abteilung der NSDAP unterordnet.

Den Kriegszielen Deutschlands wurde in den 40. Jahren die gesammte industrielle und landwirschaftliche Produktion angepasst. In weiterem Zeitabschnitt wurden in den Braunauer Betrieben Zwangsarbeiter aus vielen Völkern des besetzen Europa eingesetzt. Im Braunauer Gefangenenlager starben durch Hunger und unmenschliche Behandlung mehr als 100 russische Soldaten.

Am 9. Mai 1945 besetzeten Braunau Kampfeinheiten der Roter Armee und die politische Verwaltung übernahmen allmählich sich bildende tschechische Machtorgane. Im Chaos der ersten Nachkriegswochen kam es zu Plünderungen, tyrannisieren deutscher Zivilisten und wilder Vertreibung, besonders in den Randgebieten des Bezirkes 1945 auch zu Morden. Die schwersten Fälle waren das Massaker von 25 berwiegend Älteren Menschen, Frauen und Kindern aus Wekelsdorf am 30. Juni 1945.

Bei dem darauffolgendem organisierten Transpher im Laufe des Jahr 1946 wurden aus Braunau in die Westzonen und in die Sowjetzone Deutschlands mehr als 22 000 Deutsche zwangsausgesiedelt. Der landwirtschaftliche Boden und das Gewerbe wurden schrittweise Neusiedlern aus den anliegenden Bezirken Ostböhmens, aus der Slowakei und Reemigranten aus dem Ausland übergeben.

Auch wann es allmählich gelang die Grundfunktionen der Stadt wieder herzustellen und die Produktion in den wichtigsten Braunauer Betrieben anzukurbeln, hat die fast totale Auswechslung der Bevölkerung, begleitet von Auslöserung aller traditioneller Formen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, das Leben der Stadt für mehrere Jahrzehnte gezeichnet.

Braunau änderte wesentlich auch sein äusserliches Anlitz. Abgerissen wurden ganze Blöcke allmählich baufällig gewordene Häuser der Reihenbebauung im Stadtzentrum und die nur zum Teil durch neugebaute Wohnungsgebäude ersetzt wurden. In den 60er Jahren wurde die kritische Wohnungsnot durch den Aufbau von Betonplattenhäusern in den Siedlungen am Stadtrand gemildert.

Das Rückrat des wirtschaftlichen Lebens der Stadt und Umgebung blieb auch nach dem 2. Weltkrieg die Textilindustrie, am Ende der 40er Jahre zentralisiert in einen Betrieb, der Veba. Auch unter den Bedingungen des zentral dirigierten Wirschaftsystems, welches die Schwer- und Maschinenbauindustrie präferierte, gelang es den Braunauer Textilbetrieben auf veraltertem Maschinenpark Qualitätswaren zu erzeugen und diese mit Erfolg auf kapitalistische Märkte zu exportieren.

Nach der Auflösung des Braunauer Bezirkes 1960 wurde das Braunauer Ländchen ein Teil des Bezirkes Náchod. Auf Folgen der geographischen Lage und seiner ausnahmvoller historischen und kulturellen Entwicklung auch weiter behieltet es seinen Charakter und Einheimigkeit. Die Stadt Braunau bleibt auch nach 750 Jahren seiner Existenz das wirschaftliche und kulturelle Zentrum des Braunauer Landes. In den letzten Jahren fielen auch die Barieren der nichtdurchgangbaren Staatsgrenzen, welche nach dem Zweiten Weltkrieg das Braunauer Land von benachbartem Polen isolierte. Braunau und seine Umgebung wurde ein Reiseziel vieler Besucher des benachbarten östlichen Grenzgebietes und Ausgangpunkt zu geschäftlichen und turistischen Besuchen atraktiever Gebiete Schlesiens und Glatzer Landes.


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